Realisiert · Theater / Performance · 2015–2017

Das
Grosse
Halbe

Teil 1 der Urban Nomad Online Symphonie
Nimm dir einen Stuhl. Positioniere dich.

„Wann werde ich geboren?“

Ein ungeborenes Kind, gespielt von einem alternden Mann, wartet auf seine Geburt.

Ein berufsjugendlicher Mann arbeitet an der Perfektionierung seiner Selbstausstellung. Eine Borderline-Persönlichkeit sucht nach Nähe, Rolle und Auftritt. Alle drei senden Bilder von sich aus – und erreichen einander kaum.

Filmfragment · 00:46

Drei Figuren sitzen und stehen auf einer kreisförmigen grünen Sofalandschaft.
Begegnung / Nicht-Begegnung

Wir suchen. Wir posten. Wir kommentieren.

Bedrohungen in der großen, fremden Welt und Unsicherheiten im Privaten werden mit einem Statement, einer Provokation oder einem Witz weggewischt. Die Online-Realität erscheint als Paralleluniversum der Selbstdarstellung: Alles scheint verfügbar – und der Mensch im Nebenraum wird unerreichbar.

„Bin momentan stationär in der Psychiatrie. Als Patient. Aber keine Sorge. Bin trotzdem recht umgänglich. Was arbeitest’n Du?“
Ein Mann steht mit einem Kinderkeyboard im kreisrunden Spot.
Posieren / scheu bleiben

Momentaufnahme aus der ersten Entwicklungsphase
Artist in Residence · Schillerpalais Neukölln

Probebühnenaufbau mit Klappstühlen, Laptop, Lichttechnik, Kordel und der Sofainsel im Nebel.
Probebühne · Schillerpalais Neukölln
Präzision → offene Situation

Die Bedingungen sind präzise gesetzt.
Das Ergebnis bleibt veränderbar.

Festgelegte Choreografien treffen auf einen gemeinsam entwickelten Improvisationspool. Sven Carl Gusowski variiert ihn mit jedem Publikum. Die vierte Wand und die museale Kordel werden nicht nur gezeigt: Sie werden zum Gegenstand der Situation.

Die Ordnung zerfällt.

Das Sofa wird auseinandergezogen.

Figuren bewegen sich vor orangefarbenem Nebel und einer auseinandergezogenen Sofalandschaft.
Ein Suchscheinwerfer und Silhouetten verschwinden im dichten Nebel.

Gefällt mir!

Wer bietet mehr?

F2F ist nicht mehr wichtig.

Like it?

Alle elf Minuten.

Braucht mich hier noch jemand?

Ein Körper liegt im Vordergrund, während sich zwei Figuren im dichten Nebel gegenüberstehen.
Musik · vollständiger Song

Take Care

von Sven Carl Gusowski und David Oderso
Mixdown: Nicolas Schneider

Das musikalische Material kehrt später in Ein Stück Über Den Rand wieder.
Nicht das große Ganze

Das Grosse Halbe ist das aufgeblasene Halbe, das Halbherzige: mit einem Fuß bereits draußen, ohne das Gewählte ganz zu leben – und ohne das Ganze sehen zu können.

Auf der Bühne
Mit
Bettine Beer
Sven Carl Gusowski
Ikko Masuda
Lisa Diringer (Werkstattversion)
Text & Regie
Christian David Fischer
Dramaturgie
Eckart Seilacher
Musik
Christian David Fischer
Sven Carl Gusowski
Produktion
Ausstattung
Christian David Fischer
Kumi Umamoto
Produktion
Charlotte Birkner-Behlen
Fotos
Bendt Moerch Olsen
Ronald Spratte
Kumi Umamoto
Videos
Patrick Mikulski
Bendt Moerch Olsen
Paul von Boetticher

Residency Schillerpalais Neukölln

Unterstützt vom Theaterhaus Berlin Mitte

Gefördert vom Kulturamt Neukölln

Danke Christoph Bleidt, Eva Huebner, Axel D. Reinert, Gabriele Schohl, Marco Uhlmann

Werkzusammenhang

Das Grosse Halbe ist der Auftakt der Urban Nomad Online Symphonie. Motive, Figuren und formale Fragen wandern weiter in One More Time with Feeling, A True Artist und später in den Film Ein Stück Über Den Rand.

Das ungeborene Kind blickt im Licht nach oben und berührt ein Kinderinstrument.

Es ist nie zu spät
für eine Utopie.