Ein Stück
Über Den Rand
About And Beyond The Edge
Kann eine erfundene Situation etwas emotional möglich machen, das im wirklichen Leben nicht möglich war?
Bea sucht nach einem Anfang für ihr erstes eigenes Bühnenprojekt. Doch zunächst findet sie nur Fragmente und lose Enden.
Während Proben, Alltag und eigene Texte ineinandergreifen, beginnt sich die Grenze zwischen Figur und Biografie zu verschieben. Was als künstlerische Suche beginnt, öffnet einen Raum für etwas, das im wirklichen Leben keinen Ausdruck gefunden hat. Nicht durch Erklärung, sondern durch Erfahrung.
Christian David Fischer
Ein Stück Über Den Rand ist kein Film über Theater. Er ist ein Film über die Frage, warum wir Kunst als Ausnahmezustand brauchen.
Mich interessiert nicht das Theater als Institution und auch nicht der Mythos der Schauspielerin. Mich interessiert der Moment, in dem eine gespielte Situation etwas ermöglicht, das im wirklichen Leben keinen Raum findet. Kann eine Probe ein Ort sein, an dem wir uns selbst näher kommen? Kann eine erfundene Begegnung Gefühle freilegen, die in der Realität verschlossen bleiben? Nicht weil Fiktion „wahrer“ wäre als das Leben, sondern weil sie andere Bedingungen schafft.
Bea glaubt, sie suche nach einem Stück. Tatsächlich sucht sie nach einem Anfang. Im Verlauf des Films verschiebt sich diese Suche. Das Projekt bleibt wichtig, aber es verliert seinen Status als Ziel. Es wird zum Raum, in dem etwas anderes geschehen kann. Nicht die Fertigstellung eines Werkes ist der eigentliche Wendepunkt, sondern der Moment, in dem Bea aufhört, ihre Gefühle zu kontrollieren.
Deshalb erzählt der Film Verlust nicht als Thema und Trauer nicht als Botschaft. Mich interessiert weder die richtige Art zu trauern noch die Idee einer Heilung. Mich interessiert der Augenblick, in dem ein Mensch zulässt, von etwas berührt zu werden, das lange keinen Ausdruck finden konnte. Daraus entsteht keine Lösung. Aber vielleicht die Möglichkeit, wieder in Beziehung zu treten – zu sich selbst, zu anderen und zur Welt.
Die Form des Films folgt dieser Bewegung. Realität, Probe und Theater stehen nicht nebeneinander, sondern durchdringen sich. Die Bühne ist kein Gegenentwurf zur Wirklichkeit, sondern ein Resonanzraum. Was im Alltag unausgesprochen bleibt, kann dort Gestalt annehmen. Nicht als Geständnis, sondern als Erfahrung.
Vielleicht ist das der eigentliche Gedanke hinter Ein Stück Über Den Rand: Kunst zeigt uns nicht, wer wir sind. Sie kann einen Raum eröffnen, in dem wir zu Menschen werden, die fühlen können, was zuvor unerreichbar war.
A TRUE ARTIST
nicht realisiertEIN STÜCK ÜBER DEN RAND
eigenständiges Werk · realisiertDer Film entstand innerhalb eines mehrjährigen Arbeits- und Rechercheprozesses von WER IST JACK. Er ist jedoch weder eine Verfilmung von A TRUE ARTIST noch dessen Ersatz. Materialien und Fragen wurden weitergetragen und entwickelten eine andere Geschichte und eine eigenständige filmisch-theatrale Form.
- Bettine Beer
- Bea Kamphausen
- Sven Carl Gusowski
- Stefan Kamphausen
- Juanjo Sánchez
- Ernesto
- Ikko Masuda
- Ein Mensch
- Lisa Diringer
- Paula
- Vandross Alage
- Amadou
- Elsa Loy
- Casterin
- Film von
- Christian David Fischer
- Produktion
- WER IST JACK
- Koproduktion
- VAGABUND FILM
- Dramaturgie
- Charlotte Birkner-Behlen
- Kamera
- Ivan Berend
- Montage
- Paul von Boetticher
- Filmmusik
- Henrique Uba – Score auf Grundlage musikalischer Themen von Christian David Fischer und Sven Carl Gusowski
Interesse an einem Screening oder Gespräch zum Film?
christiandavidfischer@posteo.de